Private Finanzplanung

 

1) Entstehung des Berufs des Finanzplaners

Die private Finanzplanung ist eine in Deutschland noch sehr junge Form der Dienstleistung für den privaten Kapitalanleger. Sie ist in den letzten Jahren aus den USA nach Deutschland gekommen. In den USA ist sie unter dem Namen „personal financial planning“ bekannt. Erste Anfänge gab es in Deutschland aber schon in den 80er Jahren durch die Matuschka-Gruppe. Heute wird die private Finanzplanung von einigen Banken, Versicherungen, Finanzdienstleistern und Steuerberatern angeboten. Der Beruf wird durch Zertifizierte Finanzplaner ausgeübt. Die meisten Anleger können sich noch zu wenig unter dieser Dienstleistung vorstellen. Daher soll sie hier einmal näher beleuchtet werden.

 

2) Finanzplanung ist ein Prozess

 Der Finanzplanungsprozess ist ein interaktiver Prozess zwischen dem Kunden und dem Finanzplaner. Die erste Phase bildet die Datenerfassung. Darunter ist zu verstehen, dass alle gegenwärtigen Vermögenswerte und Schulden sowie gegenwärtigen und zukünftigen Einnahmen und Ausgaben des Kunden detailliert erfasst werden. In der Regel werden die dafür notwendigen Daten vom Mandanten dem Finanzplaner in Kopie überlassen. Um die Daten möglichst vollständig und richtig zu erfassen, ist hier eine intensive Zusammenarbeit zwischen Kunden und Finanzplaner notwendig.

Nach der Datenerfassung folgt die Analyse. Diese besteht zum einen darin, für die einzelnen Vermögenswerte, Schulden, Einnahmen und Ausgaben zu überprüfen, inwiefern diese für den Mandanten gegenwärtig sinnvoll sind. Zum anderen wird analysiert, wie sich unter der Bedingung der Beibehaltung dieses Status-Quo das Vermögen und die Liquidität in der Zukunft entwickeln können. Diese Hochrechnung der Vermögenswerte und der Liquiditätsströme erfolgt nach den Vorgaben aus den vom Mandanten in der Vergangenheit bereits abgeschlossenen Verträgen (z.B. dynamisch gestaltete Versicherungen) und den Annahmen des Mandanten in Bezug auf die zukünftige Entwicklung der einzelnen Kapitalanlagen, der Finanzmärkte und der Wirtschaft. Dabei können verschiedene Szenarien dargestellt werden, denen verschiedene Annahmen zugrunde liegen.

Wenn die Analyse des Status-Quo erfolgt ist, kann der Kunde zusammen mit dem Finanzplaner nach Optimierungsmöglichkeiten suchen. Hier beginnt die Phase der Strategieplanung. Dabei geht es darum, eine Strategie zu entwickeln, welche die in der Analysephase zu tage geförderten Defizite vermeiden soll. Das kann z.B. durch die sukzessive Umschichtung von Vermögen erfolgen. Die Strategieplanung bedient sich wie die Analyse dem Werkzeug der Hochrechnung der Vermögenswerte und der Liquiditätsströme unter bestimmten Annahmen und Vorgaben. Auch hier können verschiedene Szenarien dargestellt werden.

Nach der Entscheidung des Kunden über die Strategie kann sich als vierte Phase die Umsetzungsphase anschließen. In dieser Phase sucht der Kunde mit dem Finanzplaner die zur Strategie passenden Produkte aus.

Der Planungsprozess ist so angelegt, dass der Plan nach der Vorgabe des Mandanten in regelmäßigen Abständen überprüft wird. Dadurch wiederholt sich der Planungsprozess.

 

3) Ganzheitliche oder partielle Finanzplanung

Unter Punkt 2 ist der ganzheitliche Ansatz der Finanzplanung dargestellt. Dabei werden grundsätzlich alle Finanzbereiche des Kunden beleuchtet. In diesem Rahmen können auch ganzheitliche Fragen des Mandanten untersucht werden, z.B. ab wann er frühestens in den Ruhestand gehen kann.

Es ist jedoch auch möglich, auf eine ganzheitliche Finanzplanung zu verzichten und stattdessen nur bestimmte Teile des Finanzhaushalts des Mandanten zu betrachten. So ist es möglich, z.B. nur den Immobilienbereich, nur den Wertpapierbereich oder nur den Finanzierungsbereich eines Mandanten zu beleuchten. Es kann auch eine themenbezogene Finanzplanung favorisiert sein, die z.B. nur das Thema des Risikos der Berufsunfähigkeit untersucht. Schließlich ist es möglich, nur einzelne der unter Punkt 2 beschriebenen Phasen des Finanzplanungsprozesses durchzumachen. Häufig werden z.B. nur Datenerfassung und Analyse gewünscht.

 

4) Nutzen der Finanzplanung für den privaten Kapitalanleger

Es gibt verschiedene Gründe für den privaten Kapitalanleger, die Dienstleistung der Finanzplanung in Anspruch zu nehmen. Hier sollen beispielhaft einige dargestellt werden.

Motivation 1 = Suche nach Transparenz im eigenen Finanzhaushalt: Der Mandant möchte sich Klarheit über seine finanziellen Verhältnisse verschaffen. Dies ist dann der Fall, wenn er bisher wenig Zeit für seine finanziellen Verhältnisse aufgebracht hat oder wenig Wissen  über den Aufbau von Vermögen hat. Die Schaffung von Transparenz kann schon in den Phasen der Datenerfassung und der Analyse erreicht werden.

Motivation 2 = Suche nach der Beantwortung einer nicht produktbezogenen Frage zum eigenen Finanzhaushalt: Der Mandant möchte zum Beispiel wissen, ob er sich die Finanzierung einer Immobilie leisten kann oder ab wann er frühestens in Rente gehen kann. Die Beantwortung einer persönlichen nicht produktbezogenen Frage kann mit dem Abschluss der Phase der Strategieplanung erreicht werden.

Motivation 3 = Suche nach einer unabhängigen Beratung: Der Mandant möchte sich einer unabhängigen finanziellen Beratung bedienen, da er keine Berater wünscht, die unter Verkaufsdruck stehen. Denn diese empfehlen vorzugsweise Produkte des eigenen Hauses und haben keine oder begrenzte Möglichkeiten zum Vergleich mit Produkten anderer Anbieter. Die unabhängige Beratung kann insbesondere in den Phasen der Analyse, der Strategieplanung und der Umsetzung erreicht werden.

Motivation 4 = Suche nach einer individuellen Beratung: Der Mandant möchte in seiner Vermögensplanung seine individuellen Wünsche und Bedürfnisse maßgeschneidert berücksichtigt sehen. Die Finanzplanung kann ihm dies anbieten, da bei ihr die Vorgaben des Mandanten die wichtigste Rolle spielen. Denn nur über die Formulierung der Vorgaben des Mandanten entsteht die für die Finanzplanung wesentliche interaktive Zusammenarbeit zwischen Mandant und Finanzplaner. Die individuelle Beratung kann in allen vier Phasen der Finanzplanung erreicht werden.

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